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Die Laurentius-Kirche von Zell

Der Weiler Zell birgt heute neben der St. Servatius-Kirche auf der Streichen bei Schleching 
und der Kirche von Urschalling bei Prien wohl die bedeutendsten Fresken der Früh- und Spätgotik 
in unserem Raum.
Den Schlüssel für eine Besichtigung erhält man im Hof der Familie Kirmaier.
Die Anfänge des Weilers Zell, dessen Name früher gerne von einer Mönchszelle abgeleitet wurde, 
verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Eine mögliche erste urkundliche Erwähnung findet 
sich 1113 in den Akten des Klosters Au a. Inn, wo ein "Chuon-radus de Cella" erscheint. Da 
es aber nur wenige Kilometer von Zell, Gde. Soyen, ein Zell, Gde. Albaching, gibt, ist es 
unsicher, welcher der beiden Orte gemeint ist. Alle weiter bis ins 9. Jahrhundert 
zurückreichenden Nennungen entbehren einer gesicherten Grundlage. Einzig das Patrozinium 
Laurentius könnte, gepaart mit einem Flussübergang zwischen Urfahrn, Gde. Soyen, und Rieden, 
Gde. Babensham (vgl. dort), und entsprechenden Funden, einen Hinweis auf ein höheres Alter 
liefern. Die neuesten Ortsnamensforschungen möchten "Zell" von einem .Wirtschaftshof', sei 
es unter weltlicher oder geistlicher Oberhoheit, ableiten. Wie dem auch sei, die kleine 
Ansiedlung zwischen Steilhang und Fluss muss im Hochmittelalter so bedeutend gewesen sein, 
dass man hier eine größere Kapelle errichtete.
Mit dem Bau dieser kleinen Kirche im späten 13. oder beginnenden 14. Jahrhundert erreichen wir 
kunstgeschichtlich belegbare Fakten. Sofern nicht durch Grabungen bei demnächst anstehenden 
Sanierungen ein Vorgängerbau gefunden wird, errichtete man damals ein kleines, einschiffiges 
Langhaus mit einem zentral ansetzenden, eingezogenem Rechteckchor. Altarraum und Langhaus 
dürften Flachdecken oder einen offenen Dachstuhl besessen haben.
Länge des Langhauses (ohne Vorhalle): ca. 11,7 m
Breite des Langhauses: ca. 8 m
Länge des Chores: ca. 3,70 m
Breite des Chores: ca. 6,20 m (jeweils Außenmaße).
Drei Bauphasen bestimmen die kunstgeschichtliche Bedeutung dieser Kirche: Die 
Spätromanik/Frühgotik, die Spätgotik und das Barock.
Die spätromanischen/frühgotischen Zeugnisse
Der spätromanische/frühgotische Kirchenbau hatte (vielleicht mit Ausnahme der westlichen 
Vorhalle) bereits die gleiche Größe wie die heutige Kirche. Die kunsthistorisch   
bedeutendsten Belege aus dieser Phase sind für den Besucher leider unzugänglich und 
befinden sich über dem Gewölbe der Sakristei und des Chores. Unter dem Dach der später 
angebauten Sakristei ist das unverputzte Bruch- und Feldsteinmauerwerk bis zum Auflager 
des Dachstuhls ebenso erhalten wie zwei romanische Rundbogenfenster mit ihrer behauenen, 
abwechselnd aus hellen und dunkleren Steinen bestehenden Laibung und den Resten der 
eichenen Fensterstöcke.
Im Chor haben sich in den Zwickeln des später eingezogenen Gewölbes erstaunlich gute 
Reste der ursprünglichen Ausmalung, wohl aus der Erbauungszeit, erhalten. Ein breites 
Ornamentband (Abb. 6) schließt rundherum die Bemalung ab. An der Ostseite sind, unterbrochen 
durch das Gewölbe, noch links und rechts die Köpfe von drei bzw. vier Heiligen mit ihrem 
Nimbus vor einem hellen Hintergrund zu erkennen (Abb. 3, 4). Im Mittelpunkt stand einst 
sicher der Kirchenpatron Laurentius. Während auf der Südseite keine figürlichen 
Darstellungen mehr erhalten sind, zeigt die Nordseite das Oberteil einer Verkündigungsszene 
an Maria (Abb. 5). Die Locken und die Haltung der Heiligen weisen auf die Zeit um oder kurz 
nach 1300 als Entstehungsdatum hin. Die Fortsetzung dieser Malerei müsste sich 
verständlicherweise unter den jetzt zu sehenden Fresken des Chores befinden. Hinter dem 
linken Seitenaltar sind wenigstens noch einige Spuren dieser Ausmalung aus der Zeit der 
Spätromanik/ Frühgotik erkennbar. Eine Fotodokumentation dieses Zyklus hängt an der Sakristeiwand.
Der spätgotische Umbau
Wie aus der Jahreszahl und dem Meisterzeichen am Chorbogen ersichtlich ist, erfolgte 1487 
ein Umbau, der wesentliche Veränderungen mit sich brachte: 
• Die Zahl der Fenster im Langhaus wurde von (wohl) fünf auf zwei reduziert, diese sind 
jedoch breiter und höher.
• Statt der bisherigen Flachdecke bzw. des offenen Dachstuhls wird ein asymmetrisches 
Netzgewölbe im Langhaus und ein Kreuzgratgewölbe im Chor eingezogen. Voraussetzung dafür 
ist der Einbau von Wandpfeilern bzw. runden Diensten im Chor, auf denen das Gewölbe ruht.
• Eine Sakristei wird auf der Südseite angebaut. Das darüber befindliche Mauerwerk 
verschwindet unter dem Dach und wird daher nicht verputzt oder ausgebessert.
• Ein vielleicht vorhandener, freistehender Turm wird zugunsten eines auf der Westseite 
aufsitzenden Dachreiters aufgegeben.
• Die wesentlichste und durch das Gewölbe bedingte Veränderung besteht jedoch in einer 
neuen Ausmalung.
Ihre Spuren wurden erst 1958/59 anlässlich der letzten Renovierung wiederentdeckt und 
machten eine völlige Neugestaltung des Chorraumes und der Altäre nötig (vgl. Die barocke 
Ausstattung).
Als Baumeister dieser Umgestaltung im Stil der Spätgotik kommt wohl ein Meister der 
Wasserburger Bauhütte in Frage, die damals bis weit hinein nach Tirol gestalterisch 
gewirkt hat. Bestimmte Charakteristika wie die versetzt stehenden Wandpfeiler und die 
Größe und Form der Kragsteine für die Gewölberippen sind Belege für diese Annahme. Wohl 
auch für die Ausmalung kommt ein örtlicher Meister in Frage, zumal die nahe Stadt ein 
Zentrum spätgotischer Künstler war, wobei die Steinmetze und Bildhauer gleichzeitig auch 
als Maler tätig waren. Eingehendere Forschungen dürften in der nächsten Zeit noch viele 
Details dazu ans Tageslicht bringen.
Die spätgotische Ausmalung des Chores
Der rechteckige Chorraum hat eine marmorierte Sockelzone, die sich auch über den Chorbogen 
erstreckt, der zusätzlich mit roten und blauen Sternen in Kreisen versehen ist. Über dem 
Sockel erstreckt sich auf drei Seiten ein Bilderfries mit annähernd quadratischen 
Einzelszenen. Den verbleibenden Raum bis zum Gewölbe nimmt ein Zyklus von Apostelfiguren 
ein, der an der Stirnseite von einem Medaillon mit der Krönung Marions unterbrochen wird 
(Abb. 7). Der Einbau größerer Fenster im 19. Jahrhundert hat im Altarraum leider bei den 
beiden Bilderreihen zu Zerstörungen geführt.
Links der Krönungsszene sitzt der Apostel Johannes (Kelch), rechts der Apostel Petrus 
(Schlüssel) auf einer angedeuteten Steinbank. Der Zyklus wird auf der südlichen Chorwand 
fortgesetzt mit dem Hl. Andreas (Kreuz) und dem Hl. Bartholomäus (Messer), dazwischen 
fehlen wohl zwei Gestalten. Die nördliche Chorwand zeigt zwei Zweiergruppen von Aposteln, 
von denen nur einer auf Grund seines Attributes  bestimmbar ist: der Hl. Judas Thaddäus 
oder der Hl. Jakobus d.J. (Keule). Auch hier fehlt eine weitere Zweiergruppe zur 
Vervollständigung der Zwölferzahl. Die Fenster sind jedoch so geschickt platziert, 
dass das Fehlen einzelner Gestalten kaum auffällt.
Die untere Bildreihe, bestehend aus noch sieben fast quadratischen Szenen (zwei sind 
auf jeder Seite durch den Fenstereinbau zerstört), nimmt im Wesentlichen Bezug auf das 
Leben des Hl. Diakons Laurentius. Zumindest die Stirnseite enthält drei Szenen aus dem 
Martyrium des römischen Diakons:
Laurentius wird gegeißelt bzw. mit Haken zerfleischt, Laurentius wird auf heiße Platten 
gestellt und Laurentius wird auf einem glühenden Rost zu Tode gemartert. Die jeweils 
erste Szene der nördlichen und südlichen Chorwand stellt die Verbindung zum Hl. Stephanus 
dar, der ebenfalls als Diakon wirkte - allerdings in Jerusalem - und gerne mit Laurentius 
kombiniert wird. Zum einen blickt ein kniender Diakon mit gefalteten Händen zum Himmel 
(Szene aus der Apostelgeschichte bei der Steinigung des Stephanus), zum anderen wird 
ein Diakon in einen Sarkophag gelegt, in dem bereits ein anderer Hl. Diakon ruht. Der 
Legende nach soll der Leichnam des Stephanus nach Rom gebracht und im Grab des Laurentius 
beigesetzt worden sein, wobei Laurentius ehrerbietig zur Seite gerückt sei und dem älteren 
Diakon Platz gemacht habe. Wie bei der Apostelgruppe fehlen zwei Bilder, wohl eines aus 
dem Leben des Stephanus und eines aus dem gemeinsamen Wunderwirken von Stephanus und 
Laurentius. Zum Chorbogen hin schließen zwei Fresken den Zyklus ab, die aus dem Rahmen 
fallen und vielleicht Bezug zu den Stiftern des Umbaus oder der Ausmalung haben: Auf der 
Nordwand ist die Begegnung Mariens mit ihrer Base Elisabeth dargestellt, auf der Südwand 
der Hl. Pantaleon, einer der Vierzehn Nothelfer, dem die Hände mit einem Nagel auf dem 
Kopf befestigt worden waren (Abb. 8). Gerade dieser ausgefallene und einzeln selten 
abgebildete Heilige lässt wohl nur einen Bezug zum Stifter zu.
Schließlich sei noch auf die vier Gewölbefelder des Chores verwiesen, in welche die 
Symbole der Evangelisten mit Schriftbändern in Rundmedaillons auf gemustertem Hintergrund 
gemalt sind (Abb. 9). Kleinere Spuren der alten Ausmalung wie ein Apostelleuchter, ein 
Akanthusmotiv und Rötelinschriften können hier übergangen werden.
Die vollständige Ausmalung des Chorraumes macht wohl während der Spätgotik einen hohen 
Altaraufsatz in Form eines Kasten- oder Flügelaltares überflüssig, da er die bildlichen 
Darstellungen völlig verdeckt hätte.
Die barocke Innenausstattung
Die Barockzeit brachte keine wesentlichen baulichen Veränderungen, wohl aber eine 
Erneuerung der Innenausstattung und damit verbunden vermutlich die Übertünchung der 
Fresken. Der Turm erhielt in dieser Zeit eine Zwiebelkuppel, die auf Skizzen aus der 
Mitte des 19. Jahrhunderts noch zu sehen ist und 1869 durch ein neugotisches Türmchen 
ersetzt wurde.
In einer Pfarrbeschreibung von 1585 werden drei Altäre für Zell aufgeführt, wobei einer 
dem Hl. Laurentius, einer dem Hl. Thomas und einer dem Hl. Menrad - einem weithin 
unbekannten Heiligen geweiht war. Die Diözesanbeschreibung von 1884 erwähnt, dass 
dieser Menrad-Altar schon seit etwa 200 Jahren nicht mehr existiere. Dieser Verlust 
könnte in die Jahre 1721/22 verlegt werden, in denen durch einen Ringtausch innerhalb 
der Pfarrei überflüssige Altäre und eine Kanzel aus der Kirche von Rieden hierher 
abgegeben wurden.
Um die Kanzel (s.u.) unterzubringen, musste der rechte Seitenaltar weichen. Sein 
weiteres Schicksal ist unbekannt. An der Stelle des Menrad-Altares bzw. der Kanzel 
befindet sich seit der Renovierung von 1958/59 der Hochaltar, um einen ungehinderten 
Blick auf die Fresken zu ermöglichen.
Der ehemalige Hochaltar (Abb. 10) aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts steht nun 
als rechter Seitenaltar auf einem neu aufgemauerten Altarblock, allerdings etwas 
schräg gestellt, da er sonst wegen seiner Größe über den Chorbogen ragen würde. Das 
Predellengemälde zeigt die Armen Seelen im Fegefeuer. Hauptfigur ist ein thronender 
Hl. Laurentius, flankiert von Engeln, seitlich stehen Johannes d. Täufer und Papst 
Silvester (oder Papst Sixtus II.), im Auszug der Hl. Sebastian. 1755 mussten die 
Assistenzfiguren vom Wasserburger Bildhauer Simon Thaddäus Hartmann erneuert und vom 
Maler Niklas Bernhard, ebenfalls aus Wasserburg, gefasst werden.
Der linke = nördliche Seitenaltar ist mit 1639 datiert und stellt wohl eine Wasserburger 
Kistlerarbeit dar (Abb. 11). Auch dieser Altar kam 1721/22 von Rieden hierher. Er enthält 
eine stehende Madonna mit Kind aus dem frühen 16. Jahrhundert, aber mit deutlichen 
Anklängen an die Spätgotik. Die Assistenzfiguren sind die Hl. Barbara und die 
Hl. Elisabeth. Nach einer anderen Kirchenrechnung seien jedoch die alten 
Seitenaltarfiguren des Hl. Josef mit Kind, des Hl. Joachim und Unserer lieben 
Frau von Kirchreit nach Zell abgegeben worden. Möglicherweise wurde der neue Altar 
in Zell aus verschiedenen Stücken von Rieden und Kirchreit zusammengebaut, wobei der 
Verbleib von Joachim und Josef unbekannt sind. Die Figur des Hl. Thomas dagegen im 
Sprenggiebel, die schon wegen ihrer Größe und ihrer anderen Machart nicht an diese 
Stelle passt, dürfte noch vom ursprünglichen, 1585 erwähnten, Thomasaltar stammen.
An die Stelle der ehemaligen Kanzel von Zell, die im Ringtausch 1721/22 nach 
St. Koloman kam, dort aber nicht mehr vorhanden ist, trat jene von Rieden. 
Der Wasserburger Bildhauer Jeremias Hartmann hatte sie 1624 geschaffen. Ecksäulchen, 
Einlegearbeiten und aufgelegte Flachornamente zieren den Korpus aus Eichenholz. Eine 
nahezu identische, aber signierte Kanzel Hartmanns steht im Stadt. Museum Wasserburg, 
so dass ein guter Vergleich möglich ist, denn seit einem halben Jahrhundert fristet 
die Kanzel von Zell ein kümmerliches Dasein. Durch die Verlagerung des Hochaltares 
funktionslos geworden, steht sie stark zerstört im hinteren Kirchenschiff, während 
der Schalldeckel in der Sakristei lagert.
Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert
1803 drohte im Zuge der Säkularisation ein Abriss der Kirche, der dadurch verhindert 
werden konnte, dass die beiden Bauern von Zell das Gotteshaus als private Andachtsstätte 
erwarben. Ein ähnliches Schicksal drohte der Kapelle 1938 wegen politischer Einflussnahme 
und angeblicher Baufälligkeit. Man machte den Abbruch unmöglich, indem nun das Bauwerk 
notariell auf die Pfarrgemeinde Rieden übertragen wurde.
1869 erfolgte der Ersatz des    Zwiebeltürmchens durch einen neugotischen Spitzturm, 
in dem noch zwei kleine Glocken mit ca. 90 bzw. 70 Pfund hängen, wobei die größere 
von 1700, die kleinere erst von 1880 stammen soll. Im Zuge der Regotisierung wurde 
auch eine vorhandene Empore zunächst verkürzt und 1958/59 gänzlich entfernt. Vermutlich 
vom Wasserburger Steinmetz Simon Geigenberger wurden die Maßwerkfenster der Kirche und 
auch die kleineren Fenster der Sakristei und Vorhalle erneuert.
Längst wäre eine Sanierung der Bausubstanz dringend erforderlich, da die Fundamente 
stark durchfeuchtet sind, Grünalgen auf dem abbröckelnden Mauerwerk wachsen und neben 
der Kanzel auch Ornamente und Fassungen der Altäre und Figuren Schäden aufweisen.

Mit freundlicher Genehmigung
Aus „Zu Wasser und zu Land“ – Eine kunst- und kulturgeschichtliche Wanderung zwischen Rieden und Wasserburg von Ferdinand Steffan – herausgegeben vom Fremdenverkehrsverein Wasserburg am Inn (2002)